Antirömischer Affekt

"Noch liegen die neuen Liturgierichtlinien des Vatikans nicht offiziel vor, und es gibt nur einen Entwurf, und schon regt sich geradezu reflexartig bei Repräsentanten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ein antirömischer Affekt", dies erklärte am 27. September 2003 in Kaufering der Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, Professor Dr. Hubert Gindert.

Dabei sollte man den Verantwortlichen der Weltkirche dankbar sein dafür, dass sie Fehlentwicklungen und Missbräuchen in der Liturgie entgegenwirken. Wenn im Mittelpunkt der neuen Richtlinien die Abwehr des sakrilegischen Gebrauchs der eucharistischen Gestalten von Brot und Wein stünden, könne man nur den Kopf schütteln über die aufgeregte Kritik mancher Vertreter des deutschen Funktionärskatholizismus.

Freilich hätte sich auch "unterhalb" des Sakrilegischen in vielen Gemeinden eine zunehmende Blindheit für die Heiligkeit der Eucharistie breit gemacht. "Die heilige Messe als Erneuerung des Kreuzesopfers Jesu Christi ist mehr als eine Gemeinschaftsfeier und etwas ganz anderes als eine Aufführung oder ein "Event", sagte Gindert und knüpfte daran sein Verständnis, dass Rom Tanzdarbietungen oder Beifallskundgebungen im Rahmen der Messfeier missbillige.

Im Übrigen sei den Kritikern Roms in ihrer provinziellen Sichtweise wohl entgangen, dass die Predigt von Laien während der Eucharistiefeier längst untersagt worden sei, woran Verstöße gegen diese seit Jahren bestehende Regelung die Sache in Deutschland nicht besser machten.

Und Auftritte von Laien in priesterähnlichen Gewandungen oder mit dem Priester vorbehaltenen Gesten gehörten mittlerweile so zur kirchlichen Landschaft, dass ein Wort aus Rom dazu sachgerecht und völlig normal sei. "In hohem Maße beunruhigt", wie es das ZdK erklärt habe, könnten nur diejenigen sein, deren Geltungsbedürfnis dadurch beeinträchtigt werde, dass sie sich fortan nicht mehr "priesterähnlich" in Szene setzen könnten.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Forum Deutscher Katholiken

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