
Stellungnahme des Forums Deutscher Katholiken und der Aktionsgemeinschaft katholischer Laien und Priester - Initiativkreise in deutschsprachigen Diözesen zur Äußerung des Bundespräsidenten zum Fall Hasenhüttl
Das Forum Deutscher Katholiken bedauert, dass sich Bundespräsident Rau in die Auseinandersetzung um die Suspendierung des katholischen Priesters Prof. Hasenhüttl, der auf dem Ökumenischen Kirchentag die Kommunion an Protestanten ausgeteilt hat, durch den Bischof von Trier einmischt. Das Verhalten des Bundespräsidenten ist aus mehreren Gründen zu kritisieren. Seine Erklärung, die Hasenhüttl den Rücken stärkt und den Bischof kritisiert, geht nicht nur von irgendeinem evangelischen Christen aus, sondern ist eine Äußerung des Staatsoberhaupts Deutschlands, das keine Kompetenz hat, innere Angelegenheiten der katholischen Kirche zu beurteilen. Es ist auch von den internationalen Beziehungen her ungewöhnlich, dass ein Staatsoberhaupt ein anderes öffentlich kritisiert. Hasenhüttl hat auch gegen die Weisung des Papstes verstoßen, der Staatsoberhaupt des souveränen Vatikanstaates ist. Zu kritisieren ist auch die Wortwahl des Bundespräsidenten, die Suspendierung sei für ihn schrecklich. Hasenhüttl hat in einer sehr bedeutsamen Angelegenheit bewusst gegen die katholische Lehre verstoßen. Sein Verhalten wirkte provokativ. Die Kirchenstrafe trifft keinen Unschuldigen; sie ist auch der Schwere der Verfehlung angemessen. Die Erklärung des Bundespräsidenten ist aber vor allem inhaltlich nicht akzeptabel, da sie die Bedeutung des Vorgangs völlig unterschätzt. Das Christentum lebt davon, dass seine Botschaft unverfälscht bewahrt wird. Die Eucharistie ist der Kern der katholischen Lehre und Praxis. Hier bestehen nach wie vor schwerwiegende inhaltliche Differenzen zwischen der Katholischen Kirche und den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Konfessionen. Würde man diese Unterschiede vermischen, würden die Menschen zwar äußerlich noch das Gleiche tun, inhaltlich aber völlig unterschiedliche Vorstellungen damit verbinden. Gerade bei der Eucharistie, die eng mit dem Amtsverständnis der Kirche verbunden ist, darf es keine Kompromisse auf Kosten der Wahrheit und Klarheit geben.
Prof. Dr. Hubert Gindert, Forum Deutscher Katholiken